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Geſpräch hinweggehend, das ſie eben noch mit ſo gro⸗ ßem Intereſſe verfolgt hatte:„Wenn Du Luſt haſt, das ſchöne Muſikſtück von Duſſek„L'invocation“ zu ſpie⸗ len, kleine Tyrnau, ſo ſuche Dir es aus meinen Noten hervor. Ich habe es von dem Componiſten ſelbſt vor⸗ tragen hören und werde Dir einige Anleitungen geben, ſobald Du die erſten Schwierigkeiten des Einſpielens überwunden haben wirſt.“
Sie wollte nach dieſen Worten den Salon ver⸗ laſſen, wurde jedoch von ihrem Gatten daran verhindert. Er ergriff ihre Hand.„Bella—“ bat er herzlich— „kannſt Du Dein ſtolzes Herz nicht überwinden? Dieſe ungewohnte Güte— Bella, bleibe heute Abend bei uns!“
Ein flüchtiges Roth überzog ihre Wangen.„Heute nicht, Ottomar,“ flüſterte ſie leiſe,„heute nicht— viel⸗ leicht wird ſpäter noch Alles gut. Laß mir Zeit! Sie nickte ſtolz mit dem Kopfe und ſchritt langſam, gleich⸗ ſam zögernd, aus dem Zimmer. Herr von Ettershai⸗ den begann raſch im Zimmer hin und her zu gehen. Eine Falte des Unmuthes bildete ſich auf ſeiner Stirn. Ihm war es peinlich, in Gegenwart von Zeugen eine Herzensregung verrathen zu haben, deren er leider noch immer nicht Herr zu werden vermochte.
Der Gedanke an ſeine edle Uebereilung machte ihm nicht allein Verdruß; noch eine andere Empfindung


