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lockt hatte. Meiner Mutter iſt die Muſik vielleicht auch eine Quelle geweſen, aus der ſie Troſt und Frieden ge⸗ ſchöpft hat!“
„Deine Mutter hat alſo Leiden zu ertragen ge⸗ habt?“ fragte Frau von Ettershaiden ſo gütig, daß Fi⸗ des ſich zu ihr gezogen fühlte.
„Ich weiß,“ ſagte ſie nachdenklich,„daß ſie eines Tages verzweiflungsvoll weinte, ſonſt habe ich ſie ſtets nur kränklich und ruhig geſehen.“
„Und Deinen Vater haſt Du nie gekannt?“ Fides ſchüttelte den Kopf.
„Einen alten Herrn im Sammetpelz nannte ich Großpapa,“ antwortete ſie ſinnend den Blick emporrich⸗ tend.„Er wohnte in einem alten Hauſe— ähnlich der Burg,“ fügte ſie mit plötzlicher Erinnerung hinzu. „Eine Menge Diener waren ſtets um ihn beſchäftigt — er war krank— lahm vielleicht— denn er ſaß in einem Rollſeſſel. Ein Caplan war beſtändig bei ihm. Dieſer Caplan unterrichtete mich auf dem Claviere. Dann kam ich nach Berlin und dort ſtarb meine Mutter.“
Frau von Ettershaiden warf ihrem Gemahle einen etwas triumphirenden Blick zu.„Immer genug Ro⸗
mantik in den ſchwachen Erinnerungen, um meine Ver⸗
muthungen aufrecht erhalten zu können!“ „Sie irren, gnädige Frau,“ nahm Fides das Wort und trat ſtolz noch einen Schritt näher.„Meine Mut⸗ E. Fritze; Die Herren v. Ettershaiden. I. 15


