Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Es würde mir aber ſehr gelegen ſein, nähere Aus⸗ kunft über Fides' Herkunft erhalten zu können, erwie⸗ derte Frau von Ettershaiden ſehr freundlich.

Ich kann ſie Ihnen mit dem beſten Willen dazu nicht geben! erklärte der alte Herr mit einem ſehr wohl⸗ wollenden Blicke auf das junge Mädchen, das längſt ihren Winkel verlaſſen und mit langſamen, ſtolzen Schrit⸗ ten bis zu den Sprechenden vorgeſchritten war. Jetzt trat ſie muthig ganz dicht vor Frau von Ettershaiden hin. Bis dahin hatte ſie nie davon gehört, daß man ganz im Dunkeln über ihre Abkunft geblieben war und außer dem Abſtande zwiſchen einer adeligen und bürger⸗ lichen Geburt hatte ſie noch nichts von weltlichen Unter⸗ ſcheidungen der Art vernommen.

Dennoch verſtand ſie die Wendungen des Geſprä⸗ ches, und ihre Ehrliebe trieb ſie an, das zu enthüllen, was ſie von ihren Familienverhältniſſen kindiſcherweiſe aufgefaßt und im Gedächtniſſe treu bewahrt hatte.

Gnädige Frau irren, ſagte ſie eilig und inner⸗ lich ſtark aufgeregt.Gnädige Frau irren ſogar ſehr ſtark, wenn Sie meine Muſikvorliebe einem Prinzen Louis zu ſchreiben. Ich habe dieſe Vorliebe von meiner ſeligen Mama geerbt. Meine ſelige Mutter lebte und athmete nur in der Muſik. Sie iſt ſogar darin geſtor⸗ ben, denn ihre Finger erſtarrten im Tode, als ſie ihrer großen, ſchönen Harfe noch eben himmliſche Töne ent⸗