Sie legte ihre Stirn auf Melitta's Schulter und fragte mit gedämpftem Tone:„Willſt Du mir jetzt ſagen, warum Oswald ſo ſchnell wieder fortgeritten iſt?“
„Weil er kein Herz hier fand, dem an ſeinen Sorgen gelegen war, Fides,“ antwortete Melitta ſehr leiſe.„Wer in thörichter Verblendung ſeinen Muth immer nur durch die Hoffnung ſtützt, der iſt gewöhn⸗ lich ſo ſtark egoiſtiſch, zu verlangen, daß Andere dieſe Hoffnung erfüllen. Du wirſt mich beſſer verſtehen, wenn ich Dir einfach bekenne, daß ich unſere gegen⸗ ſeitige Neigung für ſtark genug hielt, um Oswald zu einer Verbindung mit mir zu veranlaſſen. Es war eine Täuſchung!“—
„Glaub' das nicht! Er liebt Dich— aber er weiß es ſelbſt nicht, wie zärtlich er Dir ergeben iſt,“ fiel Fides ein.
Melitta bewegte ſanft abwehrend ihren Kopf. Sie zweifelte ſtark an der Wahrheit dieſer Behauptung.
„Unſer verwandtſchaftliches Verhältniß führte ihn zu jenen kleinen Vertraulichkeiten, die Dich zu dieſer Anſicht beſtimmen!“ ſagte ſie kühl.
„Wäre er dann heute ſo eilig davon geritten, wenn ihn Dein Ernſt nicht tief verletzt hätte?“ fragte Fides naiv. 4
Ein geringſchätzendes Lächeln war Melitta's Ant⸗ wort. Es trat eine kleine Pauſe ein, die Melitta
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