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ein Phantaſieſtück von Mozart und führte es mit einer Virtuoſität und mit einem Ausdrucke aus, der Melitta zur Bewunderung hinriß. Plötzlich brach ſie mitten im Stücke ab, ſchloß es durch einige ſtarke, rauſchende Paſ⸗ ſagen und Accorde und ſtand dann feſt und entſchloſſen vom Flügel auf. Es war mittlerweile die matte Abend⸗ beleuchtung in ein tieferes Dunkel übergegangen. Mit einer raſchen Wendung geleitete ſie Melitta zum Fenſter und ſah ihr ruhig in's ſanfte Antlitz, während ſie ſprach:
„Sage mir ehrlich und aufrichtig, Melitta, was kann der Marquis von mir denken nach dem albernen Act, womit ich mich ihm zu erkennen gab?“
„Es kommt auf ſeinen Charakter und auf ſeine Lebensanſichten an, wie er Dich beurtheilen wird,“ er⸗ wiederte Melitta gütig.„Entweder betrachtet er es als den Muthwillen eines Kindes oder er nimmt es als eine Herausforderung der Koketterie.“
Fides ſtand unbeweglich und ſchauete in die Däm⸗ merung hinaus. Eine leichte Bläſſe hatte ihre Wan⸗ gen überzogen und zwei große Thränen zitterten in den weit geöffneten Augen. Wenn es eine Wahrheit iſt, daß ein einziger Augenblick oft hinreicht, um die Erzie⸗ hung eines weiblichen Weſens zu vollenden und daß ein ſchonungsloſes Urtheil im richtigen Momente den Charakter deſſelben befeſtigen kann, ſo geſchah dieſes


