Kleine! Im Garten hatteſt Du dies Theaterkunſtſtückchen ausgeführt, nicht wahr? Darum alſo fand ich Dich mit Thränen im Auge, darum übermüthig und ſentimental zugleich? Deine Neigung zu phantaſtiſchen Streichen hat Dich wiederum in ein Wirrſal geſtürzt. Wie willſt Du jetzt dieſem fremden Manne entgegen treten, kleine Tyrnau?“
„O, ich mag ihn gar nicht wieder ſehen, gar nicht!“ rief Fides mit verrätheriſcher Haſt.
„Das wirſt Du nicht vermeiden können! Er wird nach Dir fragen!
„O bitte, Melitta— beſchütze mich!“ bat Fides kindlich.„Ich wäre nicht im Stande, ihn jemals wie⸗ der anzuſehen! Nein— ich mag ihn nie wiederſehen!“
Melitta, vom eigenen Herzen ſchon belehrt, daß Furcht und Liebe in ſehr naher Beziehung ſtehen, ſenkte forſchend ihr Auge zu Fides nieder. Der Ton und der Blick, welche dieſe Worte begleiteten, klärten ſie über die Regungen des jungen Weſens auf.
„Du biſt doch ſonſt eine tapfere Heldin, Fides,“ ſprach ſie.„Was entmuthigt Dich plötzlich?“
Das junge Mädchen neigte die Stirn und flüſterte: „Melitta— ich fürchte mich vor der Glückſeligkeit, die ich empfinden würde, wenn er neben mir weilte!“
„Alſo eine Warnung vor der Liebe, die Deine Un⸗ ſchuld Dir zuflüſtert,“ ſagte Melitta ernſt und feier⸗


