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Thilo am Leben geblieben waren. Zwiſchen beiden Söhnen lag ein Zeitraum von elf Jahren. Als daher
die beiden Brüder Waiſen wurden, fiel nur Thilo als 8 zwölfjähriger Knabe der Wohlthätigkeit ſeines Königs.
hauſes anheim, während ſein Bruder Arnolf ſchon längſt ſeine cameraliſtiſchen Studien vollendet hatte und ſo⸗ gleich durch beſondere königliche Gnade mit einem Amte an der äußerſten Gränze Schleſiens betraut wurde. Darüber waren nun zehn Jahre verfloſſen. Junker Thilo hatte ſeines Bruders wenig gedacht und nur die Frage des alten Fritſche, welcher unter ſeinem Vater gedient und vielfach im Hauſe deſſelben verkehrt hatte, leukte jetzt ſeine Gedanken auf ihn zurück.
Das Glockenſpiel tönte aus. Da traf ein Ruf ſein Ohr, ein liebes, ſchmeichelndes Wort voller Wohl⸗ klang, wie es nur zarten Kinderherzen eigen iſt. Ueber⸗ raſcht ſchauete er ſich überall um. Das mußte die kleine Schläferin aus der Kirche ſein! Wo in aller Welt war ſie denn? Ein helles, kindliches Lachen ver⸗ rieth ihm, daß die Kleine recht gut merke, wie er ſie vergeblich ſuche. Jetzt aber ſah er ſie. Sie ſtand auf einer Freitreppe, die von eiſernen Geländern umgeben, eine Art Balkon bildete. Der letzte Tagesſchimmer fiel auf die kleine reizende Geſtalt, die dicht am Geländer lehnte und mit höchſt graziöſen Gebärden winkte und
nickte. Plötzlich wendete ſie das Köpfchen, blickte hor⸗
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