285
hielt, es ihr überreichte und ſich dann ſchnell an den Früh⸗ ſtückstiſch zurückzog.
Lisbeth hielt die kleine Depeſche, der ſie ganz unwill⸗ kürlich eine Wichtigkeit beilegte, ein Weilchen ſinnend in der Hand, bevor ſie das Siegel löſte. Ihre Wangen wurden dabei zuerſt bleicher, bis beim Leſen die Gluth einer innern Bewegung über ihr ganzes Geſicht ſich ver⸗ breitete.
„Der Reitknecht wartet auf Antwort,“ flüſterte die Majorin.
„Er ſoll ſie ſogleich erhalten!“ ſprach Lisbeth mit ſtrahlendem Lächeln.
Alle Anweſenden ſahen ſie mit geſteigerter Span⸗ nung an. Sie nahm jedoch keine Notiz davon, ſondern ergriff ein Blatt Papier, das auf dem Schreibtiſche der Majorin lag, tauchte die Feder ein und ſchrieb.
Die Andern tauſchten einen Blick freudiger Theil⸗ nahme.
Lisbeth ſiegelte und verließ das Zimmer, um das Briefchen ſelbſt an den Reitknecht zu verabreichen.
„Es iſt etwas zwiſchen Erich und Lisbeth!“ flü⸗ ſterte die Majorin ganz leiſe.
„Still nur, bis ſie ſelbſt es uns ſagt!“ entgegnete Cäſar eben ſo leiſe, damit ſie es nicht hören ſolle, wenn ſie zufällig zurückkomme. Lisbeth kam aber nicht zurück,
——
¹*


