270
„Nein, nein!“ ſchrie Wollun in halbem Wahnſinn, den Sinn der Rede nicht gleich begreifend.„Nein, alle Welt ſoll es wiſſen, wie leichtſinnig ich meines Hilmar's Leben auf's Spiel ſetzte. Alle Menſchen mögen mit Fin⸗ gern auf mich weiſen und mich als warnendes Beiſpiel aufſtellen, wenn das Gift des Blutes ſich regen will! Nein und tauſendmal Nein! Ich will dies Zeugniß mei⸗ nes Leichtſinnes—“
„Erich!“ unterbrach ihn die Majorin, von dem wilden Ausdrucke ſeiner Augen erſchreckt.„Erich, hören Sie mich an!“ Sie ſtrich mit ihrer weichen Hand lieb⸗ koſend über ſein wettergebräuntes Geſicht und drückte ſeine Stirn mit wahrer Mutterliebe an ſich.„Wie kön⸗ nen Sie ſich ſo hartnäckig unter Selbſtqualen winden. Hören Sie mich, Erich— ich beſchwöre Sie. Laſſen Sie mich dieſen Brief vernichten, dieſen entſetzlichen Brief, der nur Unheil ſtiften kann. Meine Tochter iſt unſchuldig an Hilmar's That. Sie hat ihn nie beachtet— ſie hat Cäſar geliebt vom erſten Augenblicke an, da ſie ihn ge⸗ ſehen. Warum wollten Sie alſo Elſens Glück zer⸗ ſtören?“
„Mein Glück iſt auch zerſtört!“ flüſterte Wollun in unheimlichem Tone.
„Elſens Vater liebte Sie— Elſens Vater hat Ih⸗ nen das Leben gerettet—“


