keine Sylbe oder keinen Buchſtaben verrieth er den Ge⸗ muͤthszuſtand eines Mannes, der aus Furcht vor Ermor⸗ dung in ſeinen Zimmer eine bewaſſnete Schildwache mit geladenem Gewehr aufgeſtellt hat, um eine ſolche That zu hindern oder ihr zuvor zu kommen. Der Graf ſtimmte freimuͤthig in die gute Laune des Koͤnigs ein, waͤhrend der glattzuͤngige Mann der Kirche bei jedem Scherze lachte, und jede dem Koͤnig entſchluͤpfende Zweideutigkeit noch weiter ausmahlte, ohne ſich vor Ausdruͤcken zu ſchaͤ⸗ men, die ſelbſt dem jungen auf dem Lande gebornen Schot⸗ ten in ſeinem Verſteck eine Schamroͤthe ins Geſicht trie⸗ ben. Nach etwa anderthalb Stunden ward die Tafel auf⸗ gehoben; Ludwig nahm hoͤklich Abſchied von ſeinen Gaͤſten, und gab das Zeichen, daß er allein zu ſeyn wuͤnſche.
Sobald alle, ſelbſt Oliver, ſich zuruͤckgezogen hatten, rief er Quentin aus ſeinem Verſteck hervor; aber mit ſo leiſer Stimme, daß der Juͤngling kaum glaubte, es ſey die naͤmliche, die ſo eben erſt die Froͤhlichkeit des Mahles durch Scherze und muntere Erzaͤhlungen belebt hatte. Eine eben ſo große Veraͤnderung bemerkte er, dem Koͤnige nahend, in ſeinen Geſichtszuͤgen. Das Feuer einer er⸗ zwungenen Lebhaftigkeit war aus ſeinen Augen,— das Loͤcheln von ſeinen Lppen gewichen, und er zeigte einen eben ſo hohen Grad der Ermattung, als irgend ein be⸗ ruͤhmter Schauſpieler, wenn er die erſchoͤpfende Darſtellung einer Lieblingsrolle vollendet hat.
„Du biſt noch nicht von Deinem Poſten abgeldſ't,“ ſprach er zu Quentin.„Nimm einige Erfriſchungen zu Dir. Jener Nebentiſch beut Dir die Mittel.— Dann will ich Dich zu Deiner feruern Dienſtpflicht anweiſen. Einem hungrigen Magen iſt nicht gut predigen.“ 3
Damit warf er ſich in ſeinen Lehnſeſſel zuruͤck und legte ſchweigend die Hand an die Stirn. 1
Ende des erſten Theils.


