„ 240
Neue ins Leben; und feſtgewurzelt an den Fleck, wo ſein Ohr am leichteſten ſich in jenen Lauten berauſchen konnte, blieb Quentin, den Doppelhaken auf der Schulter, mit halbgeoͤſſnetem Munde,— die Augen und Ohren, ſo wie die Seele ganz auf jenen Punkt gerichtet, ſtehen, ohne ir⸗ gend einen andern Gedanken, als den, wo moͤglich, jeden Ton dieſer lieblichen Melodie aufzufaſſen. 5
Doch nur in Zwiſchenraͤumen ließen ſich dieſe entzuͤk⸗ kenden Laute vernehmen.— Bald wurden ſie leiſer, lang⸗ ſamer und ſchwiegen dann gaͤnzlich, erneuerten ſich aber von Zeit zu Zeit nach ungleichen Pauſen. Doch ſo wie die Schoͤnheit, iſt auch die Muſik oft nur um ſo verfuͤhreri⸗ ſcher, oder wenigſtens um ſo anziehender fuͤr die Einbil⸗ dungskraft, wenn ſie ihren Zauber nur theilweiſe entfaltet und der Einbildungskraft uͤberlaͤßt, auszufuͤllen, was man in der Ferne nur unvollſtaͤndig wahrnehmen kann. So hatte auch Quentin Stoff genug, ſeine Traͤumereien in den Zwiſchenraͤumen ſeiner Bezauberung auszumalen. Nach den Geſchichtserzaͤhlungen der Gefaͤhrten ſeines Oheims und der am Morgen im Audienzſaal vorgegangenen Sce⸗ ne, konnte er nicht bezweifeln, daß die Sirene, die ſeine Ohren mit ſolchem Entzuͤcken erfuͤllte, keinesweges ſeiner entheiligenden Muthmaßung zufolge, die Tochter oder Ver⸗ wandtinn eines geringen Dorfwirths, ſondern die verkappte ungluͤckliche Graͤfinn ſey, fuͤr deren Sache Koͤnige und Fuͤrſten auf dem Punkte ſtanden, zu den Waſſen zu grei⸗ fen und drohend die Lanzen zu erheben. Hundert phan⸗ taſtiſche Traͤume, ſo wie die romantiſche, das Abenteuer⸗ liche liebende Jugend ſie ſo gerne naͤhrt, verſcheuchten aus ſeinen Augen die vor ihm liegende wirkliche Scene, und


