216 ſeiner angebornen Oſſenherzigkeit und Unerſchrockenheit, dem Koͤnige mitunter ſehr wohl gefiel; denn wie alle hin⸗ terliſtige Perſonen, war er eben ſo ſehr bemuͤht, die Her⸗ zen Anderer zu durchſchauen, als das, was in dem ſeini⸗ gen vorging, zu verbergen. „Bei Gott,“ verſetzte Ludwig, es wuͤrde mir eben ſo lieb ſeyn, als Dir, Dunois, Dir meinen Wunſch mitzu⸗ theilen, wenn ich mit mir ſelbſt daruͤber einig waͤre: Ge⸗ ſetzt aber, ich erklaͤrte mich fuͤr den Krieg, was ſollte ich mit dieſer ſchoͤnen, reichen jungen Erbinn, angenommen, ſie befaͤnde ſich wirklich in meinen Staaten, anfangen?“ „Vermaͤhlt ſie mit einem Eurer wackern Diener, der ein Herz hat, ſie zu lieben, und einen Arm, ſie zu he⸗ ſchuͤtzen,“ erwiederte Dunois. „Etwa mit Dir, Dunois!“ verſetzte der Koͤnig. Pas- ques dien! Du biſt bei aller deiner Oſſenherzigkeit, poli⸗ tiſcher als ich glaubte.“ „ Nein, Sire, ich bin nichts weniger als politiſch, bei unſrer lieben Frauen von Orleans! ich gehe gerade auf
mein Ziel los, ſo wie im Ringelrennen auf den Ring⸗ Ew. Majeſtaͤt iſt dem Hauſe Orleans wenigſtens eine gluͤckliche Heirath ſchuldig.“
„Und ich will dieſe Schuld abbezahlen, Graf, Pasques dieu! ich will ſie abbezahlen!— Seht Ihr nicht das huͤb⸗ ſche Paar dort?“
Bei dieſen Worten deutete der Koͤnig auf den urgluͤck⸗ Uchen Herzog von Orleans und die Prinzeſſinn Johanna, die es nicht wagten, ſich weiter vom Koͤnige zu entfer⸗ nen, oder ſich ſo, daß er es ſehen konnte, von einander zu trennen, ſo daß ſie zwar neben einander ritten, jedoch mit


