Teil eines Werkes 
10. Band, Quentin Durward : 1. Theil (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

215

er einen gewiſſen Nachdruck auf das letzte Wort legte und dem Cardinal einen durchdringenden Blick zuwarf, der zwiſchen ſeinen langen Augenwimpern hervorblitzte wie ein Dolch, wenn er aus der Scheide gezogen wird.

Der Cardinal zitterte, waͤhrend er, ſtrebend, den Scherz des Koͤnigs zu beantworten, erwiederte:„Obwohl ihm ſein Stand die Verbindlichkeit auferlege, die Geheimniſſe des Beichtſtuhls zu bewahren, ſo gebe es doch kein sigil- lum confessionis, welches nicht beim Hauche Sr. Maje⸗ ſtaͤt zerſchmelze.“

„Und da Se. Eminenz,“ entgegnete der König,„ſo bereitwillig iſt, uns die Geheimniſſe Anderer mitzutheilen, ſd erwartet er natuͤrlicherweiſe, daß wir eben ſo mitthei⸗ lend gegen ihn ſeyn werden; und um dieſe wechſelſeiti⸗ gen Leiſtungen in Gang zu bringen, iſt es von ſeiner Seite ein billiges Verlangen, daß er zu wiſſen wuͤnſcht, ob dieſe beiden Damen von Croye ſich wirklich in unſerm Gebiet aufhalten. Wir bedauern, daß wir ſeine Neugier nicht befriedigen koͤnnen, da wir ſelbſt nicht genau wiſſen, an welchen Orten irrende Daͤmchen, verkappte Prinzeſſin⸗

nen und bekuͤmmerte Graͤfinnen in unſern Staaten ver⸗ 85

ſtect ſeyn koͤnnen, die, Dank ſey Gott und unſerer lieben Frauen von Embruͤn! etwas zu ausgedehnt ſind, als daß wir Sr. Eminenz beſcheidene Erkundigungen ſo leicht be⸗ antworten koͤnnten.— Aber angenommen, ſie waͤren unter uns, vas wuͤrdet Ihr, Dunois, auf unſres Vetters gebie⸗ teriſches Verlangen erwiedern?“

„Ich werde Euch antworten, Sire, wenn Ihr mir auf⸗ richtig ſagt, ob Ihr Krieg oder Frieden wollt,“ erwiederte Dunois mit einer Freimuͤthigkeit, die, entſpringend aus