3
3 49 Eigenſchaft, welche mit der erſten oft ſeltſam genug ver⸗ einigt iſt, war ein Hang zu niedrigen Vergnuͤgungen und
geheimen Ausſchweifungen. Der weiſeſte, oder doch we⸗
nigſtens der verſchmitzteſte Herrſcher ſeiner Zeit, liebte eine gemeine Lebensweiſe, und, ſelbſt ein witziger Koͤpf, freute er ſich der Scherze und beißenden Antworten in geſelliger Unterhaltung mehr, als man nach anderen Charakterzuͤ⸗ gen von ihm haͤtte erwarten ſollen. Er miſchte ſich ſogar
in die komiſchen Abenteuer niedriger Intriguen, mit einer
Freiheit, welche kaum mit dem gewoͤhnlichen und ſteten Argwohn in ſeinem Charakter vereinbar war, und er liebte ſo ſehr dieſe Art gemeiner Galanterie, daß er eine Samm⸗ lung der luſtigſten und ſchluͤpfrigſten Anecdoten dieſer Art veranſtalten ließ, die den Buͤcherſammlern wohl bekannt iſt, in deren Augen,— und fuͤr keine andern iſt dieß Werk geeignet,— die aͤchte Ausgabe deſſelben von groſ⸗ ſem Werth iſt.
Mittelſt des maͤchtigen, klugen, wenn gleich hoͤchſt un⸗ liebenswuͤrdigen Charakters dieſes Monarchen, gefiel es dem Himmel, der eben ſowohl durch Ungewitter, als durch ſanften Regen wirkt, der großen franzoͤſiſchen Na⸗
tion die Wohlthaten einer buͤrgerlichen Regierung wieder
zu geben, welche ſie zur Zeit ſeiner Thronbeſteigung faſt gaͤnzlich verloren hatte.
Bevor Ludwig zur Thronfolge gelangte, hatte er mehr Beweiſe ſeiner Laſter, als ſeiner Talente gegeben. Seine erſte Gemahlinn, Margarethe von Schottland, ward an ihres Gemahls Hofe,„durch verlaͤumderiſche Zungen ge⸗ toͤdtet,“ wo ohne ſeine Aufmunterung kein Wort gegen
dieſe liebenswuͤrdige und beleidigte Fuͤrſtinn geaͤußert ſeyn
O. 1.. 4
—


