Teil eines Werkes 
10. Band, Quentin Durward : 1. Theil (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

aller Menſchen, verſchuldete einige der groͤßten Irrthuͤmer ſeines Lebens durch ein zu ſchnelles Vertrauen in die Ehre und Rechtſchaſſenheit Anderer. Wenn dieſe Irrthuͤmer ſtatt. fanden, ſo ſcheinen ſie aus einem zu ſehr verfeinerten Sy⸗ ſtem der Politik entſprungen zu ſeyn, welches Ludwig be⸗ wog, ſich den Anſchein eines zuverſichtlichen Vertrauens in den Augen Derer zu geben, die er zu uͤberliſten trachtete; denn in ſeinem gewoͤhnlichen Benehmen war er ſo eifer⸗ ſuͤchtig und argwoͤhniſch, als irgend ein Tyrann der jemals lebte.

Zwei andere Punkte muͤſſen noch bemerkt werden, um die Grundzuͤge dieſes furchtbaren Charakters zu vollenden, der ſich unter den rohen ritterlichen Herrſchern jener Zeit gleichſam zu dem Range eines Waͤrters wilder Thiere er⸗ bob, und durch uͤberlegene Weisheit und Politik, durch Austheilung von Nahrungsmitteln und einiger fuͤhlbaren Zuͤchtigungen, endlich dahin gelangte, diejenigen zu be⸗ berrſchen, welche, haͤtte er ſie nicht durch ſeine Kuͤnſte un⸗

terjocht, ihn mit ſtarker Macht in Stuͤcke zerriſſen haben

wurden.

Ddie erſte dieſer Eigenſchaften, war Ludwigs hoher Grad von Aberglauben, eine Plage, womit der Himmel oft Die⸗ jenigen heimſucht, welché den Vorſchriften der Religion

kein Gehoͤr leihen. Die Gewiſſensbiſſe, welche ſeinen ſchlechten Handlungen folgten, ſuchte Ludwig nie durch eine Milderung ſeiner macchigvelliſtiſchen Raͤnke zu berus⸗ higen, ſondern bemuͤhte ſich vergeblich, dieſe peinlichen Ge⸗ fuͤhle durch aberglaͤubiſche Gebraͤuche, ſtrenge Buͤßun und verſchwenderiſche Geſchenke an die Geiſtlichkeit, zu

ſaͤuftigen und zum Schweigen zu bringen. Di 3w”