Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 3. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

r

25

demjenigen beherrſcht, was wir uns nicht recht er⸗

klären können. Wie oft iſt z. B. die Liebe nicht in

Streit mit der Vernunft? Wir können mit dem

bloßen Verſtande ihre Macht nicht erklären. Sie iit ein Räthſel, das Alle begreifen, aber Niemand löſen

kann. Sie ſteht außer und über dem Verſtande.

Das Erſtere gebe ich zu, das Letztere nicht.

Magda glaubt alſo an den Sieg der Ver⸗ nunft über das Gefühl?.

Porry's Stimme war unſicher. Magda fühlte, daß das Geſpräch auf ein gefährliches Gebiet hinein⸗ gerathen war..

An dem Tage, an welchem ich den Glauben daran verlöre, möchte ich nicht mehr leben, ant⸗ wortete ſie ernſt.

Und ich, ich möchte die Stunde nicht mehr leben wollen, in welcher die Vernunft im Stande wäre, die Gefühle meines Herzens zum Tode zu ver⸗ urtheilen.

Er ergriff Magda's Hand und fügte mit Leiden⸗ ſchaft hinzu:.

Was wäre das Leben, wenn ich nicht lieben könnte? Und wenn die Liebe eine Hölle von Qua⸗

len in meinem Innern erzeugt, ſo will ich dieſelben

lieber erleiden, als zu leben, ohne das Herz von dieſen zu gleicher Zeit ſo qualvollen und doch ſo anmuthigen Empfindungen erglühen zu fühlen. Und ſelben entgegenzuarbeiten, ſo würde ich es nicht wollen.

Wenn ich während ſolcher Augenblicke wahnſin⸗ nigen Schmerzes mein Gefühl bekämpfen wollte, ſo

wenn meine Vernunft mir tauſendmal geböte, den