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fühlen und der krankhaften Schwäche hingab, die ſie bis dahin bemeiſtert hatte.
Wer ſie jetzt ſah, der erkannte, daß der Todes⸗ pfeil mit vergifteter Spitze in dieſe Bruſt gedrungen war. Sie verblutete an dem furchtbaren Leide, wel⸗ ches ſie in ungeprüften Handlungen ſelbſt über ſich heraufbeſchworen hatte. Aber ſie gedachte doch noch mit Ehren und im feſtgehaltenen Schleier des Ge⸗ beimniſſes aus der Welt zu ſcheiden.
Wer begreift ihren Schrecken, als ſie bei dem erſten Schritte ihre Habſeligkeiten zu Gunſten der Gläubiger zu Gelde zu machen, erfahren mußte, daß Herr Hans Wilkow ſich zu ihrem Kurator aufge⸗ ſchwungen hatte. Es war der letzte Schlag, den ſie
erhielt. Ihre Geſundheit war längſt untergraben,
jetzt brach ihr Körper zuſammen. Sie wußte, was
ihr fehlte und ſie verſchmähte jede ärztliche Hilfe, um nicht Späheraugen auf ſich zu lenken. Einge⸗ ſchloſſen in ihre kleine Gartenwohnung, von einer alten treuen Magd gepflegt, ſah ſie ihrer Auflöſung ent⸗ gegen. Geſchäfte hatte ſie nicht mehr zu beſorgen, die Gläubiger beunruhigten ſie nicht mehr, ihre Toch⸗ ter war wohl aufgehoben— ſie war ſchon fertig mit threm Leben, ehe der Tod ihre Augen ſchloß. Was ſie gedacht, gefühlt, gelitten— ob ſie Reue empfunden


