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blickte mit wahrhafter Betrübniß auf ihr bleiches, von Zorn entſtelltes Geſicht,„Viktorine— auf dieſer Stelle ſah ich Dich ſtehen—“
„Hören Sie auf,“ ſchrie die gequälte Frau, „entfernen Sie ſich— wir ſind fertig mit einander, auf ewig!“ Sie wankte, ihre Hand griff nach dem Herzen, in welchem Schmerzen tobten, wie ſie viel⸗ leicht noch nie ein Menſch empfunden hatte. Herr Hans wendete ſich und ging. Er ſah nicht mehr den Krampf, der die arme Frau niederwarf und für einige erbärmliche Minuten ſie alles Bewußtſeins beraubte.
Nach dieſem Auftritte war Herr Hans geneigt ſich mit ſeiner ganzen Humanität gründlich zu ver⸗ ſpotten.„Mohren laſſen ſich nie weiß waſchen,“ raiſonnirte er mit ſich ſelbſt,„und vergeblich geſpro⸗ chene Worte ſind laͤcherlich, d'rum geſchwiegen und aufgepaßt wie das Rad rollt.“
Die Majorin fuhr am nächſten Morgen ab und Herr Hans verdoppelte die Beweiſe ſeiner Liebe ge⸗ gen ſeine Frau Tochter, um ihr dieſe Abreiſe weni⸗ ger fühlbar zu machen.
Kaum ſah ſich die Majorin allein und den be⸗ obachtenden Blicken ihrer Tochter entzogen, als ſie alle Masken fallen ließ und ſich willenlos ihren Ge⸗ 1857. V. H. Hans Wilkow v. Wilkenow. III. 16


