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Ein ſchmaler Korridor trennte die Beſuchszim⸗ mer von ſeinem Kabinet. Er ſchlich denſelben entlang und hatte eben einen Alkoven, deſſen Glasthüren nach dem Beſuchszimmer gerichtet lagen, erreicht, als der Major dieſes verließ, um ihn aufzuſuchen.
Herr Hans gebrauchte die Vorſicht alle Ein⸗ gänge dieſes Alkovens gehörig zu verſchließen, bevor er ſeine Beobachtungsoperationen begann. Da ſtand Viktorine vor ſeinen Blicken, nicht ganz ſo runzelvoll wie er ſich gedacht hatte, aber trauriger und nach⸗ denklicher als er ſie jemals geſehen. Was hatte ſie vor? Was beſchäftigte ſie? Er wagte es nicht die Gardine von dem Fenſter zu lüften, um nicht in der höchſt lächerlichen Stellung eines Lauſchers von ihr ertappt zu werden. Sie betrachtete etwas, ſie hob horchend den Kopf, ſie blickte ſtarr und unentſchloſſen zum Himmel hinauf. Dann trat ſie an den Schreib⸗ tiſch, einige Momente vergingen, ein Zündhölzchen flammte hell, die karge Flamme des Siegellacks zuckte auf!— Langſam erhob ſie ſich vom Schreibtiſch, ihr Auge ruhte unverwandt auf der Stelle, wo der Gegenſtand lag, den ſie geſiegelt hatte, ein Geräuſch ſchreckte ſie auf, Rudolph erſchien in der Thüre:
„Wo iſt der Brief?“ fragte er. Die Majorin


