198
ohne große Schwierigkeiten in den Stand geſetzt mit einem Worte alles zu tilgen, was ihre Mutter quälte; nachdem jedoch das Anerbieten von Herrn Hans Wilkow's Beutel mit wahrer Todesverachtung zurück⸗ gewieſen war, wagte ſie es nicht wieder auf derglei⸗ chen Punkte zurückzukommen.
Mit dem Ende des Sommers wurden aber der jungen Frau die kleinen Reiſen zu den Eltern be⸗ ſchwerlich. Ihre Niederkunft ſtand bevor. Sie wurde oftmals traurig, daß ſie den troſtreichen Zuſpruch ihrer erfahrenen Mutter entbehren mußte und ſie ge⸗ rieth in eine gelinde Verzweiflung, wenn ſie daran dachte, daß ihr der mütterliche Beiſtand in einer Stunde fehlen ſolle, die ſie mit Herzklopfen und Freude zugleich herbeiwünſchte.
In ſolcher Stimmung wagte ſie denn im Mo— nat Auguſt einmal einen herzhaften Angriff auf Herrn Hans. Sie nahm nicht gerade ihre Zuflucht zu Thrä⸗ nen, aber ſie wehrte den hervorquellenden Tropfen nicht, die langſam ihre Wangen netzten, als ſie ihren Angſtgefühlen gegen ihn Worte lieh.
Eine Zeitlang ſchien er ſteinerner Held zu ſein. Er runzelte ſeine breite Stirn, kniff die Lippen zu⸗ ſammen und ſchoß löwenartige Blicke unter den bu⸗ ſchigen Augenbrauen hervor. Ulrike ergab ſich ſchon


