4 39 4 fernt halten, ſo ſchnell erhob ſich Schollin nach der Beendigung ſeiner Lektüre und verließ das Zimmer ohne mit einer Silbe ſeine Anſicht kundzugeben. Die beiden Frauen blieben allein.
Caritas war fertig mit dem Leſen. Langſam legte ſie das Papier in ſeine Falten. Thränen ſtanden in ihren Augen. Sie richtete ſie feſt auf das An⸗ geſicht der Frau von Schollin, die bewegt, aber nicht unentſchloſſen und bedenklich, zu ihr aufſah.„Mutter—“
ſie nannte ſie nie Mama, wie die Marquiſe, in den
Augenblicken der heiligen Einſamkeit—„Mutter, biſt Du glücklich in der Liebe Deines Gatten geweſen, ehe ich in Deinen Lebenskreis trat?“ fragte ſie mit tiefem Ernſt.
Frau von Schollin fand die Frage abſpringend und ſonderbar, aber verfiel nicht auf ihre Bedeutung. Ihr Gefühl antwortete, ohne daß ſie es wußte, und Caritas gewahrte, wie ſehr ihr Herz dabei betheiligt war.
„Aber— Mutter— biſt Du jetzt noch ganz eben ſo glücklich in Deinem Verhältniſſe? Mutter— Wahrheit, reine unverfälſchte Wahrheit!“— beſchwor das Mädchen ſie.
8 Jetzt ſtutzte die Dame. Sie fand ſich gefangen.


