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Deine Liebenswürdigkeit. Schenke mir mindeſtens ein freundliches Andenken, wenn Du keinen Funken von Zärtlichkeit für den Bruder Deines Vaters zu fühlen vermagſt.“
Caritas legte ihren Kopf kindlich an die Schul⸗ tern des Marquis und umſchlang mit ihren Armen ſeinen Hals.
„Gewähre mir das Recht, Deine Zukunft ſicher zuſtellen,“ fuhr der Marquis immer lebhafter fort. „Kann denn die Liebe zu einer unbekannten Mutter ſo ganz Dein Gemüth einnehmen, daß Du blind für alles andere wirſt? Du weißt ja nicht, ob ſie würdig oder unwürdig iſt?“
„Es iſt meine Mutter,“ erwiederte Caritas ſanft.„Für mich iſt das ein Inbegriff alles Ver⸗ ehrungswürdigen auf der Erde.“
„Schwärmereien— Illuſionen!— Daran ſtür⸗ zen Glückſeligkeiten des Lebens ein, die Du erſt zu ſpät würdigen lernen wirſt.“
„Laß Dich das nicht kümmern, mein guter Papa. Gib mir nur meine Mutter. Eilen wir zu ihr! Weiß ſie, daß ich lebe? Wo finde ich ſie?“
„Hier!— Hier findeſt Du ſie— hier, wo ich ſie ſelbſt erſt entdeckt habe!“ Caritas richtete ſich auf.


