Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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mir entſagt und mit mir die Nichtachtung der Welt theilt? fragte Caritas mit einer Leidenſchaft, die erſchütternd auf ihre Zuhörer wirkte.Iſt ſie arm, ſo werde ich für ſie arbeiten und der Unterſtützungen der Gnade entſagen. Iſt ſie unglücklich? Mir hat der liebe Gott eine hinreichende Portion Heiter⸗ keit verliehen, um ſie erheitern zu können. Iſt ſie verachtet? Ihr Kind wird ſie achten und ehren. Sie hat keinen Namen für mich? O, Herr Marquis, den Namen ‚Mutter und Tochter, den kann uns kein Weltverhältniß ſtreitigmachen!

Hochaufgerichtet ſtand ſie vor dem Marquis. Die Flammen der Begeiſterung färbten ihre Wangen und verliehen ihr eine glänzende Beredtſamkeit.

So jung ſo jung murmelte der Mar⸗ quis und betrachtete voll Erſtaunen die Geſtalt vor ſich.

Der Legationsrath behauptete mühſam ſeine verſteckte Stellung. Ihm war die Wahrheit der Ge⸗ ſinnung erklärlicher als dem Marquis, der die Wan⸗ delungen des weiblichen Gemüthes nach einem Vor⸗ bilde beurtheilte, das erzentriſch genug zu ſolchen Ausbrüchen war, ohne die Kraft zur Ausführung zu beſitzen. Seine Julie konnte in ebenſo patheti⸗ ſcher Emphaſe edle Vorſätze zur Schau tragen