„Das ändert die Sache nicht,“ ſprach kurz und ſtolz der Landrath.„Daß dieß Mädchen es werth war, geliebt, angebetet und vergöttert zu werden, das habe ich durch meine Liebe bewieſen.“
„O, Ihr Deutſchen ſeid Barbaren in Eurem Tugendſtolze,“ rief der Marquis entrüſtet.„Barba⸗ ren in dem kühlen Elemente Eurer Verſtandesklar⸗ heit. Wir zertreten die Herzen der Weiber vielleicht aus Leichtſinn, aber Ihr Deutſche vernichtet ſie aus Hochmuth und nennt das mit kühnem Mannesmuthe Stolz?“
„Möglich,“ antwortete Schollin unerſchüttert —„möglich, aber ſolche Nationalanſichten ſind nicht auszurotten.“
„Gehen Sie, mein Herr! Wie wollen Sie mit Ihrem Gewiſſen fertig werden, das Ihnen ein ge⸗ mordetes Daſein, eine vernichtete Seele, ein zerrüt⸗ tetes Gemüth, ein gebrochenes Herz täglich, nein ſtünd⸗ lich und minutlich vorführen wird? An Ihnen hängt das unglückliche Weib mit abgöttiſcher Zärtlichkeit! — Denken Sico, ich ſei blind und habe nicht die Zeichen dieſer leidenſchaftlichen Liebe mit Rührung beobachtet?— Während die jugendliche Verblendung der längſtverfloſſenen Zeit Kraft und Stärke aus dem Haß und aus der Verachtung ſog, womit ſie
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