168
hinzu.—„Ich war dem ſchmerzhafteſten Stadium ſchon entgangen— mein Daſein war nur noch ein Schatten— meine Lippen hatten ſich ſchon wochen⸗ lang nicht mehr geöffnet zum Sprechen,— meine Augen blieben geſchloſſen, wenn der fürchterliche Bote des Generals vor mir zu erſcheinen wagte,— meine Ohren blieben den Bitten meines Verführers taub.— Leiſe muſikaliſche Klänge girrten um mich und die Ohnmacht meines Körpers wich ſelten einer bewußtvollen Minute. Da ſendeten ſie einen Geiſtlichen zu mir.—Caritas divina te custodiat! Mit dieſem Gruße trat er an mein Lager. Er lehrte mich an Gott denken und an ſeine Barmherzigkeit glauben! Ich nahm wieder Nahrung— und ich gebar eine Tochter.“
Schollin ſprang auf, durchmaß mit heftigen Schritten das Gemach und warf ſich dann mit ver⸗ hülltem Geſichte aufs Sopha nieder.
Franziska bewältigte mit aller Anſtrengung und Kraft, die ihr nur noch zugebote ſtand, ihr Schmer⸗ zensſchluchzen und begann nach einer langen, pein⸗ lichen Pauſe ihre Erzählung wieder aufzunehmen.
Sie erklärte die weite Entfernung ihrer Eltern, die von Berlin nach Danzig geflohen waren und von dort noch weiter nach Oſtpreußen bis zur ruſſi⸗


