1641
Frau von Schollin unverwandt an. Die Forſtſchreiberin ſtieß einen Laut der Verwunderung aus.
„Und wie kam ſie zu dem zweiten Kinde— 2“ ſprach die Kranke belebt.„Sie hat mir beide über⸗ geben. Gehörten ſie ihr nicht beide?“
„Die Dame rettete beide Kinder vor der Wuth des Pöbels. Sie wollte nur ihr eigenes holen— fand aber noch ein eben ſo verlaſſenes Weſen und nahm es mit. Sonderbare Umſtände haben es bis jetzt nicht zur Sprache kommen laſſen, daß eines der kleinen Mädchen geſtorben war.— Als dieſe Dame aber vor einer Stunde dieß Stückchen Seidenzeug nicht als das Eigenthum ihrer Tochter anerkannte, und es dadurch zweifelhaft wurde, ob auch Caritas wirklich ihr Kind war, da beſchloß ich, eine Aufklä⸗ rung bei Ihnen darüber zu ſuchen, weil in dieſem Falle das junge Mädchen nicht mit nach Frankreich gehen ſoll.“
„Gott ſei Dank!“ rief die Witwe Weber mit emporgehobenen Händen.
Die Forſtſchreiberin erwartete ängſtlich einen Ausbruch ihrer Wahnideen— er blieb aus. Es iſt eine Erfahrung, daß dieſelben bei der Annäherung des Todes ſchwinden. So war es hier.
„Ich habe ſeit dem elenden Tode meines guten 1857. IV. Caritas. II. 11


