30
löſcht den Schmerz der Trennung ſicherer, als die Ueberzeugung zum Wohlſein eines Menſchen unnö⸗ thig geworden zu ſein.
In der glücklichen Sorglofigkeit ihres jugend⸗ lichen Charakters ging Caritas ihren Weg. Ihre Phantaſie trug ſich unbewußt mit Bildern, die ihr Blut etwas raſcher wallen machten und ihre Wan⸗ gen höher färbten.
Was geſchehen war, um dieſe Bilder mit dem lebensvollen Kolorit innerer Glückſeligkeit zu überzie⸗ hen, das fragte ſie ſich nicht und hätte ſie gefragt, ſo würde ſie keine Antwort dafür gefunden haben.
Sie grüßte in ſeliger Luſt den funkelnden Son⸗ nenſchein, ſie grüßte die Vögel, ſie grüßte die Rehe, die Bäume, das Gras und die Blumen, als hätte ſie jahrelang das alles nicht geſehen, als hätte ſie es entbehrt, als hätte ſich alles ſeitdem verändert.
Sie ging aber nicht unbeachtet und nicht un⸗ behütet. Zwei Augen folgten ihren Schritten in der Ferne.
Eugen, der ernſte und weiſe Legationsrath, war dem jungen Mädchen in einem Gefühle banger G Sorge nachgegangen, jedoch ohne ſich ihr zu zeigen.— Er ſchämte ſich einer Theilnahme, die ihn zu ſo knabenhaftem Treiben anſpornte. Er hatte die Ju-⸗


