22
4
war, ſo richtig ergriff ſie den rechten Faden zur Ver⸗ ſtändigung in einer ganz ztrockenen Darlegung der Umſtände. Sie ſprach beſtimmt und feſt aus, daß einer Frau Weber, die jetzt geiſtesſchwach und irr⸗ ſinnig ſei, in M.. von einer Dame ein Kind zur momentanen Obhut übergeben und bis jetzt noch nicht wieder abgefordert wäre. Von dem Daſein eines zweiten Pfleglinges war ihr nie etwas zu Ohren ge⸗ kommen.
„Allmächtiger Gott, mein Kind— mein lange als todt beweintes Kind,“ rief die Marquiſe in un⸗
beſchreiblicher Herzensbewegung.„Armand— unſer
Kind— unſere Juliette lebt— Armand, o mein Gott, wo— wo finde ich es?“
Der Marquis kam aus dem Nebenzimmer. Er war ruhiger und gefaßter, aber eine tiefe Bewegung zitterte aus dem Tone ſeiner Stimme hervor, als er haſtig fragte:„Wo? Julie, Du täuſcheſt Dich.— Wo iſt unſere Kleine?“
Jetzt ſtürmte es von allen Seiten um die beiden Eltern herum.
Alle fragten und keines erhielt eine Antwort. Die Baronin war beſchäftigt, dem Elternpaare den Ort zu beſchreiben—
„Wir müſſen hin, Armand! Mein armes, armes


