Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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Ah, mein kleiner Licblin, das iſt ein großer Un⸗ terſchied. Das eine iſt Liebe, das andere iſt kindliche Zuneigung, beides ganz recht an ſeinem Platze. Nun, Käthchen, da Du ein ſo gutes Mädchen biſt, habe ich auch einige angenehme Nachrichten für Dich.

Was denn, Papa?

Ich weiß wirklich nicht, ob ich es Dir ſagen ſoll oder nicht, ſagte der Kuſtos und klopfte ſeiner Tochter ſpielend auf die Wange;wenigſtens nicht jetzt, meine ich. Es könnte Dich zu glücklich machen.

O, Papa, ich habe Dir geſagt, was Du von mir

gewünſcht haſt und ich ſehe, es hat Dich vergnügt ge⸗ macht. Nun wirſt Du mir doch gewiß nicht vorent⸗ halten, was, wie Du ſagſt, mich beglücken wird. Was iſt das für eine Neuigkeit? Höre denn, Käthchen! und Herr Vaughan beugte ſich vornüber, als wolle er ſeine Mittheilung noch ein⸗ dringlicher machen, und flüſterte ihr zu:Er theilt Deine Gefühle, er mag Dich leiden!

Vater, ich fürchte, das iſt nicht der Fall, ſagte die junge Kreolin mit ernſthafter Miene.

Ja, jal ich ſage es Dir, Mädchen! Er iſt über die Ohren in Dich verſchoſſen, ich weiß es. Ich ſah es auch von der erſten Minute an. Ein Blinder hätte es ſehen können, aber ein Blinder ſieht auch beſſer, als ein verliebtes Mädchen. Ha, ha, ha!

Kuſtos Vaughan lachte laut und lange über den ſo unerwartet vorgebrachten Witz, denn in dieſem Augen⸗ blick war er wirklich zur höchſten Fröhlichkeit geſtimmt.

Sein liebſter Traum ſollte jetzt in Erfüllung gehen.