159 4
in dieſem Behälter eine Anzahl Frauen ihre Hühner unter— nicht, wie man glauben könnte, todte, um ihnen die Federn abzubrühen, ſondern lebendige Hühner, um ſie, wie ſie ſagten, von Ungeziefer zu ſäubern und damit ſie ſich dann deſto behaglicher fühlten!
Da das Waſſer faſt heiß genug war, um die armen Vögel zu kochen und da die Weiber ſie bis an die Hälſe hineintauchten, ſo ſtand— dies dachten wenigſtens unſere Reiſenden— die Behaglichkeit dieſer Operation wohl ein wenig zu bezweifeln.—
Ein wenig weiter hin bot ſich ein anderer Gebrauch in den franzöſiſchen Pyrenäen den Augen der Reiſege⸗ ſellſchaft dar.—
Eines Tages hörten ſie nämlich ein eigenthümliches Gemiſch von Tönen, welches aus einem kleinen Thale dicht neben der Landſtraße heraufkam. Als ſie in dieſes Thal hinabſchaueten, ſahen ſie eine Anzahl von vierzig oder fünfzig Weibern, die alle mit einer und derſelben Verrichtung beſchäftigt waren, nämlich der des Flachs⸗ hechelns.
Dies belehrte ſie, daß in den Gegenden der Pyre⸗ näen das Flachshecheln von den Frauen beſorgt wird, und daß, anſtatt daß jede dieſe Arbeit zu Hauſe ver⸗ richtete, eine große Anzahl von ihnen ſich an irgend einem ſchattigen Ort verſammelt und den ungehechelten Flachs mitbringt. Hier wird nun unter Scherzen, Lachen und Singen das rohe Naturprodukt in glänzende, ſeiden⸗ weiche Faſern verwandelt..


