Druckschrift 
Das Haus in der Wüste, oder Abenteuer einer Familie, die sich in der Wüste verirrte : mit vier Scenenbildern / von Capitän Mayne Reid ; aus dem Englischen von Dr. A. Diezmann
Einzelbild herunterladen

22

baren Klippe, über welche das Waſſer des Flüßchens hin⸗ wegſchoß, um mehre hundert Fuß tief hinabzuſtürzen. Es war ein herrlicher Anblick auf den langen Waſſer⸗ ſtrahl, der ſich wie der Schweif eines Pferdes krümmte,

und in die ſchäumende Flut unten hinabgoß und dann in ſeinen Millionen ſchneeigen Schaumperlen ſich erhob, die 3 mit allen Farben des Regenbogens in den Sonnenſtrahlen glänzten. Es war ein herrlicher Anblick, aber unſere Augen verweilten nicht lange dabei, denn andere Gegenſtände er⸗ füllten uns mit Staunen und Verwunderung. Weit unten — weit unten von da, wo wir uns befanden— lag ein liebliches Thal, das in aller Pracht und Ueppigkeit einer reichen Vegetation lachte. Es hatte ſo ziemlich eine eirunde Form und war auf allen Seiten von hohen ſteilen Wänden eingeſchloſſen. Die Länge mußte zum wenigſten zehn(engliſche) Meilen betragen und die Breite vielleicht die Hälfte. Wir

pefanden uns am obern Ende und ſahen es deshalb der Länge

nach. An dem Rande der Wand, die von dem Boden des Thales zu uns heraufſtieg, wuchſen zum Theil Bäume ho⸗ rizontal hinaus, Cedern und Fichten. Auch bemerkten wir in den Felſenritzen die knorrigen Aeſte rieſiger Cactus. Wir ſahen die wilde Magurypflanze an der Felſenmauer wach⸗ ſen und ihre ſcharlachrothen Blätter ſtachen angenehm von den dunkelgrünen Cedern und Cactus ab. Unten im Thale dagegen ſchien Alles ſchoͤn, reizend, lieblich zu ſeyn. Wir erkannten breite Strecken Wald, wo das dichte Laub der Bäume ſich ſo zuſammendrängte, daß es von oben wie eine grüne Bodenfläche ausſah. Wir wußten aber, daß es nur grüne Blätter waren, denn hier und da zeigte ſich helleres Grün dazwiſchen, in welchem wir Roſen vermutheten. Die Blätter der Bäume waren übrigens verſchieden gefärbt, denn