Teil eines Werkes 
Die Schutzlosen : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventlow
Entstehung
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in welchem ſie die Antwort auf ihre eigenen gehei men Gefühle in Ernſt's Augen zu leſen glaubte, ſtand auch die Nothwendigkeit klar vor ihrer Seele, ihn niemals ihre Liebe ahnen zu laſſen. Sie mußte all' ihre Kraft aufbieten, um Gerda von ihrer Liebe zu Hermann abzubringen und das Ziel ihrer Be⸗ mühungen war Gerda's und Ernſt's Glück.

So hatte Alva ihren Lebensplan eingerichtet. Aber ſollte es ihr gelingen?——— Sollte denn ſſo viele Entſagung nie irgend einen Erſatz erhalten? ——— Sollten dieſe Vorſätze, ſo edel ſie auch waren, ſiegend aus dem Kampf mit den glühendſten Forderungen des Herzens hervorgehen?——— Die Zuſammenkunft mit Ernſt wird es zeigen.

Um fünf Uhr fuhren alle, die zu Hauſe waren, nach dem Pfarrhof. Alva hörte, als ſie auf ihrem Sopha lag, die Wagen fortrollen. Sie that einen tiefen und ſchmerzlichen Seufzer. Auf die Stunde darauf war die Zuſammenkunft mit Ernſt beſtimmt, bei welcher Alva eine neue, harte Probe beſtehen ſollte. 5

Um ſechs Uhr trat ſie in den Salon, wo ſie den Grafen fand. Er ſaß in einem Lehnſeſſel hinge⸗ ſunken und hatte ein verſtörtes trauriges Ausſehen. Der Graf ſtand auf, ging Alva entgegen und agte:

— Ich bin Deinem Wunſche nachgekommen; ——— ich bin hier, um mich täuſchen zu laſſen; wer fühlt denn Freundſchaft genug, um nicht ſeine Hand dazu zu bieten, das zu thun? 5

— Ich habe Dich nie getäuſcht und werde es auch jetzt nicht thun——— pi