25
werde freundlich ſein; dann brauche ich niemals Dich oder Ernſt zu betrüben. Jetzt ſprang ſie vom Vater fort; denn dort kam Ernſt mit ihrem Hut und Reitpeitſche. — Willſt Du jetzt reiten?— fragte Ernſt vergnügt. i rief Gerda in die Hände klat⸗
ſchend und Ernſt hob ſie in den Sattel; worauf
beide fortgaloppirten.
Abends an demſelben Tage ſaß Gerda oben in einem ihrer eigenen Zimmer auf einem Schemel und ſtützte den Kopf auf die Hände.
In einiger Entfernung von ihr ſaß eine ältere Frau, die Amme Gerdas, Mutter Sigrid, wie
man ſie nannte. Sie war das einzige weibliche
eſen, welches Gerda ſeit dem Tode ihrer Mutter zur Seite gehabt; und die letztere war geſtorben, als ſie nur vier Jahre alt war. — Warum ſitzt Fräulein Gerda ſo ſtill da?— fragte Sigrid und blickte ſie an. — Warum ſagſt Du Fräulein? — Der Baron hat es ſo befohlen. — Aber ich will nicht, daß Du mich anders nennſt als Gerda. — Dann wird der Baron böſe. — Darum kümmere ich mich nicht. — So darf Fräulein nicht ſprechen. — Ich darf ſprechen wie ich will! — Rein, jetzt iſt das Fräuleinchen böſe und
denkt nicht daran, daß Gott im Himmel Alles ſieht
und hört und daß er Ungehorſam und Unehrerbie⸗ tigkeit gegen die Eltern verbietet.


