Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Dem General, der die Ehe ſeines Bruders erfahren hatte, gelang es ihn durch Drohungen und Ueber⸗ redung zu beſtimmen daß er den Sohn unmittel⸗ bar nach ſeiner Geburt ihm überließ. Ebith erklärte man, das Kind ſei todt zur Welt gekommen.

Nach einigen Tagen ſtarb die Frau des Generals,

nachdem ſie, wie es hieß, einen Sohn geboren wel⸗

cher der Erbe des ungeheuren Vermögens der ruſ⸗ ſiſchen Dame werden ſollte. Dieſer Sohn war kein anderer als Ediths Erſtgeborner. Ein Jahr verfloß. Edith ſollte wieder Mutter werden. Ihr Mann wurde mit einer Botſchaft an den franzöſiſchen Hof geſchickt, und Edith reiste während ſeiner Abweſen⸗ heit nach Helſingfors, um ſich da unter dem Titel Frau Brunzwith aufzuhalten. In Helſingfors gebar ſie Tage. Sie hatte kurz zuvor an Tante Sara ge⸗ ſchrieben, die in aller Heimlichkeit ſie beſuchte und einige Zeit bei ihr blieb. Als Tage ein Paar Mo⸗ nate alt war, erhielt Edith Briefe von ihrem Manne, der ſie erſuchte nach Petersburg zurückzukommen, aber das Kind in Helſingfors zu laſſen.

Die Braut von Magnus Canitz, die junge Ruſſin, war von einer ſchweren Bruſtkrankheit befallen wor⸗ den, ſo daß ſie eine Reiſe nach Italien machen mußte, und dadurch wurde die beabſichtigte Vermählung auf⸗ geſchoben. Magnus, ein ſchwacher und ſchwärmeri⸗ ſcher Character, gänzlich von ſeinem ältern Bruder beherrſcht, vor welchem er eine gewiſſe Furcht hatte, ſo daß er ihm blind gehorchte, ließ ſich von dem General bereden ſeine Ehe mit Edith fortwährend geheim zu halten, bis man ſehen würde ob der Tod ihn nicht von der durch kaiſerlichen Willen verordne⸗