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„Und Schuldfried!“ riefen der Profeſſor und Lothar.
„Sie iſt bei unſerer Mutter. Sie ging geſtern Abend mit ihr nach Hauſe,“ antwortete Tage. „Deßhalb durfte Lothar ſie nicht an den Wagen be⸗ gleiten.“
Etwas ſpäter am Tage finden wir Lothar, Tage und Schuldfried bei Edith.
Leztere erzählte dem jüngſten Sohn ihre Lebens⸗ ſchickſale, die wir zum Theil aus der Mittheilung des Doctors an Natalie kennen. Wir wollen deß⸗ halb den Leſer nicht mit einer Wiederholung derſel⸗ ben ermüden, ſondern hier nur noch Folgendes bei⸗ fügen:
Edith hatte ſich in ihrem ſiebzehnten Jahre mit Seele und Herz in den Legationsſecretär Magnüs Canitz verliebt, deſſen Bekanntſchaft ſie während ihres Aufenthaltes bei Tante Sara machte. Das Reſultat dieſer Neigung war daß ſie ihn, als er Schweden verließ, nach Petersburg begleitete, wo der Legationsſecretär ſich in der Stille mit ihr trauen ließ. Er wagte es nicht dieſe Verbindung öffentlich zu machen, weil er den Zorn des Czars fürchtete, der ihm eine Dame aus den vornehmſten Familien Rußlands zur Braut beſtimmt hatte. Die Auserkorene war noch ſehr jung, ſo daß von einer Vermählung erſt nach einigen Jahren die Rede ſein konnte.
Magnus Canitz hoffte während dieſer Zeit einen Ausweg zu finden, um die ruſſiſche Familie zur Ab⸗ brechung der Verbindung zu beſtimmen. Nach ein⸗ jähriger geheimer Ehe gebar Edith einen Sohn.


