Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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aufgeopfert, gleichwohl aber eine verbrecheriſche Ver⸗ bindung mit dem Jugendfreund unterhalten hätte. Wenn Lothar Canitz ſie noch zehnmal glühender geliebt hätte als wirklich der Fall iſt, ſo hätte gleich⸗ wohl dieſes Ereigniß ihn für immer von Schuld⸗ fried getrennt. Alle Schwüre und Betheurungen

hätten ſie von dem erniedrigenden Makel der auf

ihre Ehre geworfen worden wäre nicht rein waſchen

können. Es blieb ihr dann nur noch übrig mir

ihre Hand zu reichen und auf dieſe Art dem Scan⸗

dal ein Ende zu machen. Der polniſche Doctor

hatte die Folgen ſeines Planes wohl berechnet, und

das Ende wäre wahrſcheinlich geweſen daß Lothar ſich eine Kugel durch den Kopf gejagt hätte.

Wohin wollen Sie mit allem dem kommen? Natalie rieb ungeduldig ihr Nastuch zwiſchen ihren Händen..

Sie ſollen es ſogleich erfahren, Gräfin. Als Sie und der Doctor mich in den Plan einweihten Lothar und Schuldfried durch eine ſolche Bosheit zu trennen, hatten Sie keine Idee davon daß wir beide Brüder ſind. Sonſt hätten Sie ſicher die Unmöglich⸗ keit eingeſehen daß ein Bruder, ſo feindſelig er auch geſinnt ſein mochte, ſich einer ſolchen Verrätherei ſchuldig gemacht hätte.

Aber, mein Herr, Sie ſtellten ſich als ob Sie unſern Plan, der nur die Erfüllung Ihrer Wünſche zum Zweck hatte, mit Begierde ergriffen, fiel die

Gräfin heftig ein.

Sehr wahr; aber wenn ich das nicht gethan hätte, ſo hätte der Doctor irgend eine andere Bos⸗ heit ausgedacht vor welcher ich Schuldfried nicht