Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

265

Ja, wie Sie ſehen, Gräfin. Die Kammer⸗ jungfer ſtellte die Lichter auf den Tiſch und verließ ſogleich das Zimmer.

Wie kamen Sie hieher und welche Veranlaſſung haben Sie mich auf ſolche Art bloßzuſtellen? fragte Natalie.

Die Veranlaſſung iſt daß ich heute Abend mit Ihnen ſprechen will. Eben jezt. Was ich zu ſagen habe duldet keine lauſchenden Ohren, darum erlau⸗ ben Sie daß ich die Thüre ſchließe.

Ei, mein Herr, bedenken Sie doch was Sie thun! rief Natalie.Was werden meine Leute denken? 1

Was ſie wollen. Ich muß unter vier Augen mit Ihnen ſprechen.

Iſt es Ihnen mißglückt weil Sie hier ſind?

Neit.

Aber mein Gott, wenn unſer Plan nicht ge⸗ ſcheitert iſt, ſo begreife ich nicht...

Wie Sie mich hier finden können? Sezen Sie ſich gefälligſt, Gräfin, und verſuchen Sie mich ruhig anzuhören. Er nöthigte Natalie ſich zu ſezen.

Der von Ihnen und Dr. Wagner entworfene Plan war ja folgender. Der Doctor ſollte an dem Wagen worin Schuldfried heimfuhr auf den Bock ſizen, und ſtatt ſie in ihr Haus zu führen, ſollte er nach Roſenvick fahren, wo ich ſie erwartete. Die Idee war ſinnreich und wohl ausgedacht; denn in der ganzen Welt hätte ſich nicht ein einziges Weſen gefunden das nicht am Morgen Schuldfried für eine treuloſe und verächtliche Frau gehalten hätte, die, um Baronin Canitz zu werden, ihre Kinderneigung