Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Anaiſe öffnete. Es war Lothar, der mit bleichen und bebenden Lippen fragte:

Iſt Madame zu Hauſe?

kommen, lautete die Antwort.

Nicht! Wo iſt ſie denn?

Ich weiß nicht; wir haben die ganze Nacht auf ſie gewartet; vielleicht iſt ſie bei dem Profeſſor.

Lothar eilte weg. Nach einer Weile ſtürzte er in den Saal bei Aberney, wo er den Profeſſor der eben ausgehen wollte beinahe umwarf.

Schuldfried! ſtammelte Lothar mit Verzweif⸗ lung in Ton und Blick.

Der erſte Blick auf Aberneys Geſicht war ihm eine genügende Antwort auf die Frage.

Auch Tage war verſchwunden.

Wir verlaſſen jezt unſere von Kummer und Ver⸗ zweiflung heimgeſuchten Freunde, und wollen ſehen was bei Natalie nach ihrer Heimkehr von dem Ver⸗ lobungsfeſte vorfiel.

Nein, Madame iſt heute Nacht nicht heimge⸗

Als Natalie in ihr Boudoir trat, wich ſie einen Schritt zurück und ſtieß einen ſchwachen Angſtſchrei aus. Im Halbdunkel der Sommernacht erkannte ſie eine Mannsgeſtalt in den Sopha zurückgelehnt.

Licht! rief die Gräßin.

Die Kammerjungfer eilte mit ſolchem herein. Wezt erſt erhob ſich die Figur. Der Lichtſchein fiel 6 ihr Geſicht, und Natalie ſtammelte ganz be⸗ türzt: Lieutenant Aberney, Sie hier!