Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

261

Kennen Sie den Namen des Landrichters?

Ich habe ihn gehört, aber vergeſſen, antwor⸗ tete Natalie mit einer eigenthümlichen Betonung.

Wirklich? Dann bin ich glücklicher: denn der Unglückliche der ſich erſchoß war mein Bru⸗ der, Madame Dorbinos Vater und der Schwager der Baronin Edith Canitz.

Natalie wurde dunkelroth.

Die arme hinterlaſſene Wittwe, von welcher Sie ſagten daß ſie ihren erſten Mann umgebracht habe, war, wie Frau Canitz, meine Couſine. Ihr erſter Mann war ebenfalls mein Bruder. Sie dürf⸗ ten alſo, meine gnädige Gräfin, einſehen daß ich beſſer als irgend Jemand die Urſachen des Todes meiner beiden Brüder kenne. Ich kann daher ganz dreiſt erklären daß jede Anklage gegen meine ver⸗ ſtorbene Schwägerin, als ob ſie den Tod eines ihrer Männer verſchuldet hätte, falſch iſt. Es iſt etwas gewagt Jemand als ſchuldig anzunehmen den das Geſez unangetaſtet läßt. Man riskirt da immer daß man ſich zum Verbreiter eines unwahren Gerüchtes macht.

Natalie fühlte ſich gedemüthigt, antwortete aber mit ihrem kindlichſten Lächeln:

Sie haben Recht, beſter Profeſſor, und darum vergeſſe ich immer die Namen der Perſonen die in den Ereigniſſen welche ich erzähle eine Rolle ſpielen. Dieß hat das Gute daß man niemals com⸗ promittirt.

Eine liebenswürdige gewohuheit wie alle Ihre Gewohnheiten ſind.

Du alter Fuchs! dachte Natalie.Du heilſt