Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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zog ſich zurück und Schuldfried blickte weg. Tage war aufgeregt. Es war jezt das zweite Mal in ſeinem Leben daß er vor derjenigen ſtand welcher

er ſein Leben zu verdanken hatte. Er vermochte kein Wort zu ſagen, ſo überwältigt war er von tauſend widerſtreitenden Gefühlen. Er ergriff ihre Hand und führte ſie an ſeine Lippen. Als er das ge⸗ beugte Haupt wieder aufrichtete, umarmte ihn die Baronin, indem ſie flüſterte:

Gott ſegne Dich, mein geliebteſtes Kind! Die Worte wurden von keinem Andern gehört als von demjenigen an den ſie gerichtet waren.

Nachdem man ſich von der erſten Ueberraſchung erholt hatte, kam das Geſpräch wieder in Gang. Tante Sara, die Baronin und Schuldfried unter⸗ hielten ſich zuſammen. Natalie ſaß in ihren Stuhl zurückgelehnt und hörte mit zerſtreuter Miene zu was Lieutenant Steen und eine Dame ſagten. Die Con⸗ verſation war nicht beſonders lebhaft. Der Pro⸗ feſſor ließ ſich neben der Gräfin nieder.

Sie wurden, ſagte Aberney verbindlich,mit⸗ ten in Ihrer Erzählung von dem jungen Richter unterbrochen. Das war Schade. Ich vermuthe daß die Geſchichte einen pſychologiſchen Werth hatte wie die meiſten Verbrecherhiſtorien.

Bei dieſen Worten Aberneys wandte ſich Schuld⸗ fried heftig um, als hätte ſie durch dieſe Bewegung fragen wollen, was ihm denn einfalle daß er das Geſpräch auf dieſen Gegenſtand zurückführe. Ob der Profeſſor dieſe Bewegung beachtete oder nicht, iſt ungewiß; genug, er fuhr fort: