Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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flüſternd. Alle Blicke richteten ſich mit geſpanntem Intereſſe auf die Thüre. Der Profeſſor war nebſt Tante Sara, die ſich mehrere Maie ſchneuzte um ihre Contenance zu behaupten und nicht weinen zu müſſen, der Ankommenden entgegen geeilt.

Er führte eine ſtattliche ältere Dame ein, mit einem Aeußern das noch Spuren von Schönheit ver⸗ rieth, da die großen dunklen Augen einen eigen⸗ thümlichen Zug über das Geſicht verbreiteten. Jeder

Zug verkündete ein Leben voll tiefer und bitterer

Leiden.

Meine Couſine, Frau Canitz, präſentirte der Profeſſor,die Mutter des Barons Canitz und auch meines Adoptivſohnes Tage Aberney, welchen ſie

gütigſt mir zur Erziehung als eigener Sohn anver⸗.

traut hat.

Die Ueberraſchung war allgemein. Auch Tage und Lothar waren erſtaunt. Auf das Auftreten der Mutter waren ſie ganz und gar nicht vorbereitet. Lothar und Schuldfried gingen zur Baronin vor.

Meine Braut! Lothar. Die Stimme war aufgeregt und ſein Blick ruhte zärtlich auf der Mutter.

Die Baronin umarmte Schuldfried und ſtüſterte

Gott ſegne Dich, meine Tochter!

Tage war unbeweglich an einem Fenſter ſtehen geblieben. Der Blick der Baronin ſuchte jedoch ſo⸗ gleich den jüngſten Sohn. Vielleicht fing Tage die⸗ ſen Blick auf, vielleicht auch flüſterte Etwas in ſeinem Innern ihm zu was ſeine Schuldigkeit war. Nach kurzem Zögern ging auch er zur Mutter vor Lothar

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