Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Als ich vor einigen Jahren durch den mittleren Theil Schwedens reiste, fuhr Natalie fort,erzählte man mir eine merkwürdige und traurige Geſchichte, die ſich vor einigen Jahrzehnten dort zugetragen hat. Sie war ſo betrübter Art daß ich nie von einer Vergiftung hören kann ohne mich daran zu erinnern.

Es war alſo eine Vergiftungsgeſchichte? ſagte Jemand im Kreiſe.

Ja, auf eine gewiſſe Art. Jezt erhob Natalie ihre Augen und heftete ſie auf Lothar, der fort⸗ während an Schuldfrieds Stuhl gelehnt ſtand und folglich ſeinen Plaz der Gräfin gegenüber hatte. Etwas in ihrem Geſichtsausdruck gab Lothar eine Ahnung daß ſie etwas Unangenehmes ſagen würde. Natalie fuhr fort:

In der Gegend ſoll ein junger und beliebter Landrichter geweſen ſein der ſich, nachdem er einige Jahre lang mit Ehren ſein Amt verwaltet, erſchoß.

Und die Urſache? fragte man.

War höchſt betrübt. Nataliens Blick wanderte jezt von Lothar auf Schuldfried.Es wurde ent⸗ deckt daß die Frau des Landrichters, die Wittwe ſeines eigenen Bruders, ihren erſten Mann vergiftet hatte und..

Die Baronin Canitz! meldete man.

Natalie verſtummte ſchnell. Lothar fuhr zuſam⸗

men, und Schuldfried, die bei Rataliens lezten Worten todtenblaß geworden, warf einen erſchrocke⸗ nen Blick auf Lothar.

Die Baronin Canitz, wer iſt ſie? fragte man