Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſie nicht eine Stunde lang über mir vergeſſen. Natalie warf Tage einen höchſt gefährlichen Blick zu.

Gräfin, wenn es ſo iſt, ſo liegt das Unglück nur darin daß man Sie nicht zuerſt geſehen hat. In dieſem Fall hätte man Sie nicht über Schuldfried vergeſſen können.

Natalie betrachtete Tages Geſicht. Es war ernſt, und es lag darin Etwas was ihr ſagte daß er wirk⸗ lich ſo dachte wie er ſprach. Natalie beugte ſich näher zu ihm und flüſterte:

Sie haben doch nicht vergeſſen?

Ich vergeſſe nie.

Und heute Abend?

Bin ich auf meinem Poſten.

Gut.

Einige Herren näherten ſich der Gräfin; man begann von ganz gleichgiltigen Dingen zu reden. Das Geſpräch wurde ungemein lebhaft. Lieutenant Steen, der vor Kurzem in England geweſen, erzählte verſchiedene merkwürdige Verbrechergeſchichten. Na⸗ talie nöthigte Schuldfried neben ihr Plaz zu nehmen. Der Profeſſor befand ſich auch in der Gruppe welche die in umgab. Lothar ſtand hinter Schuldfrieds Stuhl.

Während meines Aufenthalts in Bremen, er⸗ zählte die Gräfin,ſah ich den Kopf einer ſehr be⸗ rüchtigten Giftmiſcherin, Namens Margreth Gottfried, fallen. Die Herrſchaften werden wohl von ihr ge⸗ hört haben?

Die Frage wurde von den Meiſten bejaht, und man erzählte von den merkwürdigen Schickſalen der berüchtigten Giftmiſcherin.

Schwartz, Schuld und Unſchuld. M. 17