Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

256

fried lächelte ſo freundlich gegen Tage und ſah ihn mit ſo herzlicher Güte und Milde an, daß er ihren Verluſt nur noch tiefer zu empfinden meinte. Er ſcheute ſich in Lothars edles Geſicht zu ſchauen; er wußte daß der Anblick des Glückes das darin ſtand nur ſeinen Zorn wecken und ihn in den dunkeln Strom der Eiferſucht zurückwerfen würde. 2

Die Gräfin Reinſtei wurde angemeldet. Tage ſprach eben mit Schuldfried. Sämmtliche Anweſenden wandten ſich beim Klange dieſes Namens um und blickten nach der Thüre.

Natalie trat ein. Sie war äußerſt einnehmend. Gleich Schuldfried trug ſie ein weißes Seidenkleid mit einer Garnitur von Blumen.

Ueber Lothars Züge flog eine dunkle Röthe des Verdruſſes, als er ſah daß Natalie mit ſeiner Braut gleich gekleidet war. Der Profeſſor begrüßte die Gräfin äußerſt verbindlich, und Natalie erwiderte ſeinen Gruß mit heiterem Scherz. Sie war unwi⸗ derſtehlich einnehmend.

Tages Blicke waren hartnäckig auf ſie gerichtet. Die Wolke auf ſeiner Stirne lichtete ſich. Sie liebte ihn, dieſe verführeriſche Frau, vor deren Liebreiz und Geiſt jeder ſeine Rauchopfer anzündete. Eine ſolche Gewißheit mußte die Macht haben ein Lieutenantsherz zu tröſten. Endlich, als der Augenblick günſtig war, näherte er ſich ihr.

Sie ſind heute Schulbfried ähnlicher als je bemerkte er mit einem Blick der Bewunderung.

Wenn es ſo iſt, ſo ſind meine Bemühungen ge⸗ glückt; aber gleichwohl werden die Liebhaber Fridas