abhielt Tage nach Verdienſt zu ſtrafen. Ich glaube ihn jeder ſchlechten Handlung fähig.“
Der Profeſſor ging auf die Thüre zu, legte die Hand ans Schloß und fügte hinzu:
„Er iſt das Gegentheil von Lothar Canitz; es gibt keine Art von Edelmuth welche dieſer nicht an meinem unwürdigen Adoptivſohn ausgeübt hätte, deſ⸗ ſen einzige Antwort ſtets ein neuer Verrath an Ehre und Pflicht war.“
Aberney öffnete die Thüre. Er fand Tage einige Schritte davon ſtehend, bleich, mit hochgehaltenem Kopfe. Aberney ſchloß die Thüre wieder und Tage ſagte langſam:
„Alſo nur die Rückſicht auf Tante Sara hat Dich abgehalten Deinen unwürdigen Adoptivſohn zu be⸗ ſtrafen, den Du jeder Schlechtigkeit fähig glaubſt? Ich bin alſo ſo tief in Deiner Achtung geſunken, Papa?“
„Ja,“ antwortete der Profeſſor.
„Du hältſt mich für einen erbärmlichen Egoiſten ohne Ehre und Glauben?“
„Dein Benehmen war von dieſer Art.“
„Ich bin ein elender, ſchwacher Tropf, ohne allen moraliſchen Muth, ohne alle Selbſtbeherrſchung?“
„Das biſt Du.“
„Die Vergangenheit hat mich als ſolchen gezeigt.“ Tage fuhr mit ſeinen beiden Händen an ſeine Stirne und drückte ſeine Schläfe.„Ja dieſe Hölle von Neid, Eiferſucht, von wilden und zügelloſen Wün⸗ ſchen, von brennender Liebe und verzehrenden Lei⸗ denſchaften, Alles das hat mich wirklich in einen beklagenswerthen Menſchen umgewandelt.“


