Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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nie geglaubt daß Du Dich ſo herzlos gegen Tage benehmen würdeſt wie Du jezt gethan haſt; davon wie Du mich behandelteſt will ich gar nicht ſprechen. Nun ergoß ſich eine wahre Thränenfluth, während welcher Sara mit beweglicher Stimme und in ſehr hohem Discant forkfuhr:Ich bin an ſchlechte Be⸗ handlung ſo gewöhnt, aber ich hatte mir vorgeſtellt daß das Kind welches Du angenommen, noch auf einige Zärtlichkeit rechnen könne. Der arme Tage, was hat er nicht ausſtehen müſſen, ohne daß ein freundliches Wort ſein Leiden milderte? Tante Sara mußte wieder mit dem Nastuch hervorrücken. Und dieſe ſchändliche Verlobung welcher er auf Dei⸗ nen Befehl anwohnen ſoll und..

Jezt, Tante, könnte es genug ſein, fiel Aber⸗ ney kalt ein.In einer halben Stunde kommen meine Gäſte. Du wirſt ſie wohl nicht mit Thränen und Schluchzen empfangen wollen. Was Tage be⸗ trifft, ſo habe ich mir nur eines vorzuwerfen, näm⸗ lich meine allzu große Nachſicht gegen ihn. Wenn man ſich wie er als ein Menſch ohne Ehre und Selbſtbeherrſchung benimmt, wenn man nichts An⸗ deres als ſeine eigenen egoiſtiſchen Wünſche im Auge hat, ſo iſt es Vaterpflicht den entarteten Sohn mit Gewalt auf die Gebote der Ehre hinzuleiten. Sprich mir nicht von Tage, ſondern danke Gott daß Du ihm zur Seite ſtehſt, denn ſonſt hätte ich ihn vor allen ſeinen Cameraden für unwürdig erklärt meinen Namen zu tragen.

Um Gotteswillen, was ſagſt Du? rief Sara, indem ſie erſchrocken zu dem Neffen aufſchaute.

Ich ſage daß nur die Rückſicht auf Dich mich