Zimmer, weinte von Zeit zu Zeit ein Bischen, und ſeufzte ſo tief als hätte ſie ein Begräbniß anzuord⸗ nen. So oft ſie durch den Saal ging, warf ſie einen betrübten Blick auf Tages Thüre und murmelte:
„Mein armer Junge! Wollte Gott, dieſer ſchwere Tag wäre vorüber. Ich werde Schuldfried nie das Herzeleid verzeihen das ſie ihm bereitet hat. Nein, nie werde ich vergeſſen daß ſie den Andern vorziehen konnte. Daran iſt Victor Schuld. Ja, ſo iſts. Er wollte nicht auf meine Warnungen hö⸗ ren.“ Jezt wurde das Nastuch hervorgezogen, Sara trocknete ihre Augen und ſchluchzte ein wenig, aber als ſie an die Naſe anſezte, fielen ihre Blicke auf die Lichter und Kronleuchter, und pumps! nahmen ihre Gedanken eine andere Richtung.„Herr, mein Gott und Schöpfer, wie Lotte die Lichter hineinge⸗ ſteckt hat! So viel iſt gewiß wahr daß man überall dabei ſein muß, ſonſt geht es ganz närriſch zu.“ Sie nahm einen Stuhl, ſtellte ſich auf ihre Zehen und brachte unter leiſem Gebrumme über Unord⸗ nung, Unzuverläßigkeit u. dgl. das Vernachläßigte in Ordnung. Juſt als dieß geſchehen war, trat der Profeſſor aus ſeinem Cabinet und ging durch den Saal nach Tages Zimmer. Tante Sara vertrat ihm geradezu den Weg, und ſagte mit einer Stimme die von Verdruß und Schmerz zitterte:
„Wohin willſt Du, lieber Victor?“
„Zu Tage hinein,“ lautete die ruhige Antwort.
„Laß den Jungen in Ruhe!“ fiel Sara heftig ein und ſtimmte eine ihrer Thränenmelodien an. „Ich ſollte meinen Du habeſt ihm die Loſt ſchwer genug gemacht. Das ſage ich Dir, Victor, ich hätte


