Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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treuloſe Hoffnung ſpiegelte ihr in dieſer Secunde ſo manches bezaubernde und koſende Bild vor. „Verzeihen Sie, Gräfin, daß ich von mir ge⸗ ſprochen habe,“ begann Lothar wieder, indem er ſich erhob;„aber Ihr Intereſſe für mein Glück hat mich dazu veranlaßt. Ich will daher hinzufügen: Madame Dorbino kann mir nie gefährlich werden, weil ich Ihnen ſchon morgen meine Braut Schuld⸗ fried vorzuſtellen gedenke.“ Lothar küßte der Gräfin kalte Hand und ent⸗ fernte ſich.*

„Verlobt!“ ſagte Natalie, als Lothar verſchwun⸗ den war.„Verlobt, er, der einzige Mann für welchen ich ein anderes Intereſſe hatte als das der Eitelkeit.“

Ihr Blut kam in Gährung; jeder Tropfen ver⸗ wandelte ſich in Galle. Es war nicht Schmerz ſondern ein Gefühl heftigen Verdruſſes darüber daß Lothar es wagte ſeine Hoffnung und ſein Glück an eine Andere zu ketten als an ſie. Sie hatte alle möglichen Mittel angewandt um ihn zu feſſeln. Es hatte ſogar Augenblicke gegeben wo ſie glaubte es ſei ihr geglückt. Ja, dieſe ganze Zeit über die Madame Dorbino in ihrer Geſellſchaft zugebracht, hatte Natalie ſich damit geſchmeichelt für Lothar einigen Werth zu haben, und jezt— jezt ſah ſie alle ihre Hoffnungen vereitelt. Die verlezte Eitel⸗ keit iſt bei einem Frauenzimmer vollkommen eben ſo gefährlich wie die verlezte Eigenliebe bei einem Mann.—