Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

242

mit der ich keine Verbindung einzugehen verſprochen habe.“

„Er hegte die feſte Ueberzeugung daß Baron Canitz niemals einem Verſprechen untreu werde, und am allerwenigſten einem ſolchen das er ſeinem ver⸗ ſtorbenen Vater gegeben. Dieſes muß heilig ſein.“

„Ja, ein Verſprechen gegen meinen Vater würde das immer bleiben.“ Lothars Stirne legte ſich in einige Falten;„aber, Frau Gräfin, da Sie mich mit ſo viel Güte und Wohlwollen erfreuen, ſo haben Sie den Doctor gewiß auch um die Gründe gefragt, warum ihm ſo viel daran liegt daß ich mein Wort halte. Hat der Doctor perſönlich Etwas gegen Ma⸗ dame Dorbino?“

„Sie iſt die Tochter der Giftmiſcherin Harm Aberney. Es liegt etwas Gefährliches in der Erb⸗ ſchaft welche die Tochter einer Verbrecherin empfan⸗ gen hat.“

„So, aber ich bin ja ſelbſt der Sohn des Man⸗ nes der ſeinen eigenen Bruder in Sibirien ver⸗ ſchmachten, den Vater Wagners nebſt mehreren an⸗ dern Polen zu Tode knuten, die Mutter und Ge⸗ ſchwiſter des Doctors nach Sibirien führen ließ; mit einem Worte, eines Mannes der ein grauſames Herz und einen treuloſen Character hatte; auch ich habe ein unglückſeliges Erbe erhalten.“

„Aber in Ihrem eigenen Character findet ſich

Nichts was grauſam und treulos iſt.“

„Findet ſich bei Madame Dorbino Etwas von dieſer Art vor?“

„Ich bin weit entfernt dieß behaupten zu wol⸗ len; aber was ſie iſt das wiſſen wir nicht. Sie iſt