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Abends, als Lothar von Schuldfried heimkam, erhielt er nachſtehenden Brief: „Herr Baron! „Wenn Sie morgen frei ſind, ſo beehren Sie mich mit einem Beſuch. Ich wünſche von Ihnen einen Aufſchluß zu erhalten, um welchen ich ſonſt Niemand
angehen möchte. „Mit Achtung„ „Natalie Reinſtein.“ Lothar leiſtete der Einladung Folge und fand ſich bei Natalie ein. Er traf die junge Gräfin ganz allein. „Sind Sie ſehr verdrießlich über mich, Herr Baron, daß ich Ihre Zeit ſo in Anſpruch nehme?“ ſagte ſie mit ihrem verführeriſchſten Lächeln und ihrer kindlichſten Miene. „Gräfin, ich bin über ein ſchönes Frauenzimmer nie verdrießlich,“ antwortete Lothar verbindlich. „Ein Zufall hat mich genöthigt Sie um dieſen Beſuch zu bitten. Bei der Reviſion einiger Papiere meines Mannes fand ich unter anderm einen Brief⸗ Auf dem Rand ſtanden die Worte: Gefunden im Hotel N. in Berlin. Der Brief iſt ruſſiſch geſchrieben, und ich wünſchte daß Sie als Kenner dieſer Sprache mich darüber aufklären möchten ob er möglicher Weiſe einen Werth für mich haben kann.“ Die Gräfin überreichte den Brief. Lothar empfing ihn ohne alles Mißtrauen; aber während des Oeffnens wechſelte er die Farbe und warf ſeine durchdringenden Blicke auf die Gräfin. „Haben Sie dieß wirklich unter den hinterlaſſe⸗ nen Papieren des Grafen gefunden, Madame?“


